Interaktive Karte

Autor*in

Ellen Berg

Veröffentlicht am 14.04.2025

Aus dem Business Magazin "Workflow"

01/2023 Strahlkraft

unternehmen

"So etwas gibt es bisher im klassischen Wohnbau nicht"

9 Minuten
Mit dem „Seestädter“ – einem Wohn- und Gewerbekomplex am Ostufer des Sees – entsteht ein Pioniermodell für die Grätzel von morgen. Co-kreativ geplant, nutzt es die Schwarmintelligenz der Nutzer und schafft viel Platz für Wohnen, Gewerbe, Arbeiten und neue Ideen.
See, wo viele Schwimmer sich im Wasser tummeln. Im Hintergrund Hochhäuser.
© Luiza Puiu

Bis 2026 entstehen an einem Schlüsselbauplatz direkt am Ostufer des Sees elf Häuser mit einer Nutzfläche von knapp 20.000 Quadratmetern und einem ganz besonderen Konzept. Als Pioniermodell für das Grätzel von morgen soll hier nachhaltiges Leben möglich und das Wohnen und Arbeiten unter einem Dach vereint werden, mit einem starken Business-Ökosystem. Die Pläne für dieses Großprojekt werden aber nicht am berühmten grünen Tisch gemacht, sondern co-kreativ mit den künftigen Mietern der Wohn- und Gewerbeflächen entwickelt. Die von Anfang an in die Planung eingebunden werden, ihre Wünsche, Ideen und Bedürfnisse einbringen können – und dabei auch wirklich gehört werden. „workflow“ hat die Initiatoren Michaela Mischek-Lainer, Geschäftsführerin der Mischek Bauträger GmbH, und Herbert Bork, Raumplaner und Abteilungsleiter von StadtLand, zu dem neuen Pionierprojekt des ÖVW interviewt.


Mit dem „Seestädter“ entsteht ein ganz neues Grätzel, bei dem auf Co-Kreation und Schwarmintelligenz gesetzt wird. Wie genau kann man sich das vorstellen?


Michaela Mischek: Die Grundidee war und ist, jetzt nach zehn beziehungsweise 15 Jahren Entwicklung wieder in die Seestadt hineinzuhören, denn die Zeit bleibt ja nicht stehen. Wir wollen Geschäftsleute und Bewohner fragen, was es braucht, damit diejenigen, die schon dort leben, gern dort leben; und was fehlt, damit diejenigen, die dort arbeiten auch dorthin ziehen. Diese grobe Idee haben wir dann der 3420 aspern Development AG vorgestellt – und dann bereits co-kreativ mit den Architekten und aufgrund von Studien den richtigen Bauplatz ausgewählt.

Herbert Bork:
Wichtig ist uns dabei, dass die Co-Kreation nicht nur während der Projektentwicklung, sondern auch danach weiter gelebt wird. Dabei geht es um das Zusammentreffen verschiedener Lebenswelten – etwa von Gewerbebetrieben und Familien.


Welche Vorteile hat das für die unterschiedlichen Mieter, stört man einander da nicht eher?
 
Bork: Überhaupt nicht, wichtig ist nur, dass es jemand kuratiert. Dann können etwa Unternehmen, die aus einer Branche stammen – in einem ersten Schritt setzen wir die Schwerpunkte auf die Bereiche Radlogistik und Kreislaufdesign, darüber mitbestimmen, was sie brauchen. Das beginnt bei der Gestaltung des Innenhofes oder der Freiflächen und geht bis zur gemeinschaftlichen Nutzung von Besprechungsräumen oder einer Müllpresse. Auch eine flexible Nutzung von Lagerflächen ist denkbar, nicht nur saisonal, sondern auch, wenn bei einem die Geschäfte zurückgehen und bei jemand anderem gerade besonders boomen. Außerdem können die Unternehmen voneinander profitieren, zum Beispiel bei der Produktentwicklung oder bei der Herstellung von Prototypen.

Mischek:
 Ich glaube auch ganz grundsätzlich, dass ein klimaneutrales Quartier dann besser funktioniert, wenn die erste Wahl für ein Problem oder Projekt der Nachbar und nicht jemand ist, der 50 Minuten entfernt ist. Auch wenn natürlich vieles über das Netz geht, ist es einfach besser, wenn jemand vor Ort ist. Diese geografische Nähe nutzen wir daher auch bis in die Details. So ist es uns beispielsweise gelungen, dass der Inhalt der Biotonnen von der MA48 direkt zu den Bauern in der Umgebung gebracht wird – was nicht nur klimaneutraler ist, sondern auch für geringere Gebühren sorgt.


Neben dem Gewerbe ist aber auch die Gestaltung des Wohnraumes co-kreativ geplant. Wie können die künftigen Bewohner davon profitieren und wie kann man mitmachen?
 
Mischek: Auch bei den Wohnformen gibt es viele besondere Wünsche und Bedürfnisse, die in einem solchen Projekt berücksichtigt werden können. Beispielsweise kenne ich zwei befreundete Familien, die sich eine Wohnform wünschen, bei der beide ihren Rückzugsraum hätten, aber auch einen verbindenden Gemeinschaftsraum, etwa eine Wohnküche, in dem sie sich die Kinderbetreuung teilen. So etwas gibt es aber bisher im klassischen Wohnungsmarkt nicht. Genau wie Angebote für Menschen mit besonderen medizinischen Bedürfnissen, die bei der Wohnsituation berücksichtigt werden müssen.

Bork:
 Außerdem hat die Seestadt einen extrem hohen Kinderanteil und bietet sensationelle Betreuungsangebote. Aber manchmal muss man vielleicht auch am Samstagnachmittag noch zwei, drei Stunden arbeiten und will die Kinder nicht wieder in eine Fremdbetreuung geben. Da bin ich dann froh, wenn ich in einen Coworking Space gehen kann, in dem auch meine Kinder sein können und bei Bedarf zu mir laufen. Und ich weiß, wovon ich rede, ich habe selbst drei Kinder...

 

Wie wird diese co-kreative Arbeit jetzt konkret weitergehen?
 
Mischek: Neben den beiden Schwerpunkten Kreislaufwirtschaft und Radlogistik ist die Hausgemeinschaft, in der gewohnt und gearbeitet wird, das dritte große Thema. Für diese drei Bereiche werden wir uns im Herbst aktiv an die Communitys wenden und Nutzer beziehungsweise Bewohner ansprechen, die sich vorstellen können, mit uns in den Prozess zu gehen und quasi als Preis dafür eine Mietwohnung zu bekommen. Das wird jetzt über sogenannte Calls für zwei der elf Häuser – das Stadtteilhaus und das Atelierhaus –  passieren. Diese findet man auf unserer Webseite www.dasseestaedter.at/calls.


In den drei Jahren bis zur Fertigstellung kann ja noch viel passieren. Wie stark muss man sich da jetzt schon verpflichten?
 
Mischek: Grundsätzlich gilt der Konsumentenschutz für alle unsere Mieter wie für jeden Mieter in anderen Projekten auch, keine Frage. Aber wie bei anderen Mietverhältnissen, geht man mit ganz speziellen Sonderwünschen, die für andere sehr wahrscheinlich nicht passen, auch eine stärkere Verpflichtung ein. Um ein Beispiel aus dem klassischen Wohnbau zu nennen: Wer sich eine fünfeckige lila Badewanne einbauen lässt, wird diese im Zweifelsfall wieder rückbauen müssen, wenn er wieder aus- beziehungsweise gar nicht einzieht.
Ein Mann und eine Frau, die in einem Liegestuhl sitzen.
© Jana Madzigon

Herbert Bork und Michaela Mischek-Lainer

Die Calls des SEESTÄDTERS

CALL1 STADTTEILHAUS: Gemeinschaftlich Organisieren, Arbeiten & Wohnen
CALL 2 ATELIERHAUS: Kreatives Arbeiten & Leben
 
Gesucht: Personen, Gruppen und Unternehmen,
die im Seestädter arbeiten und leben möchten EINZUREICHEN: Nutzungskonzepte für die beiden Häuser

Veröffentlichung der Calls:
 15.9.2023
Abgabe der Nutzungskonzepte: Ende November 2023. Alle weiteren Informationen und Downloads der Calls finden Sie hier.
# Ähnliche Stories
Menschen beim Frühstücksbuffet
© Zoltan Balo
unternehmen

Unternehmen wünschen sich mehr Sichtbarkeit und Vernetzung

Die Ergebnisse der Unternehmensbefragung 2026 zeigen, was Betriebe in der Seestadt bewegt – und welche Angebote sie sich künftig vom Stadtteilmanagement wünschen.

Menschen bei einem Frühstück
© Susanne Lins
unternehmen

Business Frühstück: Ein Angebot für Austausch und Vernetzung in der Seestadt

Sie suchen neue Kontakte oder wollen Ihr Netzwerk in der Seestadt erweitern? Einmal im Quartal laden wir zum Business Frühstück in der Seestadt ein.

Eine Frau öffnet eine Box, eine Frau, ein Mann und ein Junge schauen überrascht auf die Box
© knistery
unternehmen | Success Stories

Menschen & Unternehmen der Seestadt: knistery

Wenn Rätsel Menschen verbinden

Zwei Personen stehen vor einem Lokal mit dem Namen Ciao Ragazzi und lachen in die Kamera
© STM/Barbara Konturek
unternehmen | Gastronomie | besuchen | Success Stories

Menschen & Unternehmen der Seestadt: Ciao Ragazzi

Neapolitanische Pizza, viel Leidenschaft und Italo-Feeling in der Seestadt

Besitzer des Cafés Vegan Kiss stehen hinter der Bar und umarmen sich
© Barbara Konturek
unternehmen | Gastronomie | besuchen | Success Stories

Menschen & Unternehmen der Seestadt: Vegan Kiss

Wie eine Familie aus Kärnten in der Seestadt ein veganes Wohlfühl-Bistro geschaffen hat

Abendaufnahme des Technologiezentrums Seestadt mit beleuchteten Büros, modernen Gebäuden und parkenden Autos im Vordergrund.
© Luiza Puiu
Success Stories | unternehmen

Circe: Biotechnologie mit Zukunft in der Seestadt

Die Seestadt entwickelt sich zunehmend zu einem urbanen Innovationsraum, in dem Forschung, Technologie und nachhaltige Produktion eng zusammenarbeiten.

Ein Patient sitzt auf einer Liege mit einem Ball in der ausgestreckten Hand, der Therapeut steht vor ihm und zeigt ihm die Übung vor
© tech2people
unternehmen | Gesundheit | Success Stories

Menschen & Unternehmen der Seestadt: tech2people Therapiezentrum

Zu Besuch bei Isolde Schurz-Klee – und an einem Ort, an dem Bewegung neu gelernt wird.

Portraitbild von Ulrike Grabmair
© Ulrike Grabmair
unternehmen

Menschen & Unternehmen der Seestadt: Ulrike Grabmair

Im März stellen wir Ihnen Ulrike Grabmair vor. Sie ist Diplom-Lebensberaterin und Trauerbegleiterin und unterstützt Menschen in der Seestadt.

Zwei Personen in Businesskleidung sitzen vor dem Gebäude „tz3“ des Technologiezentrums Seestadt auf einer Holzbank. Beide blicken in die Kamera; im Hintergrund sind Glasfassade und junge Bepflanzung zu sehen.
© Vaccentis / Martin Steiger
unternehmen

Vaccentis: EU-Hub in der Seestadt stärkt Life-Science-Standort

Vom Technologiezentrum aus koordiniert das Zürcher Biotech-Unternehmen künftig zentrale Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten, um u.a. die innovative Präzisions-Immuntherapie VCC-001 weiter voranzutreiben und auf die europäische Zulassung vorzubereiten.

Eine Kommode mit Formen aus dem 3D-Drucker mit der Gravur Incus darauf, im Hintergrund ein White Board mit www.incus3d.com
© EIT Manufacturing
unternehmen | Success Stories

Incus: Schicht für Schicht zur 3D-Metalldruck-Revolution

Das Spin-off des 3D-Druck-Pioniers Lithoz erobert mit seinem innovativen Ansatz im lithografiebasierten Metalldruck das Technologiezentrum Seestadt.