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wien 3420 AG

Veröffentlicht am 02.09.2026

Stadtentwicklung | Innovation | öffentlicher Raum

Wenn Bäume Daten liefern: Internet of Trees in der Seestadt

Wann braucht ein junger Stadtbaum wirklich Wasser? Am Nelson-Mandela-Platz messen Sensoren mehrerer Bäume laufend, wie feucht der Boden ist. Das Forschungsprojekt „Internet of Trees" liefert so die Daten, um Bäume genau dann zu gießen, wenn sie es brauchen. Im Video erklären Jakob Kastner und Robert Grüneis, was dahintersteckt.
Wenn Bäume Daten liefern: Internet of Trees in der Seestadt

Ein Blick unter die Erde

Junge Bäume tun sich in heißen Sommern besonders schwer: Ihre Wurzeln reichen noch nicht tief, und bleibt der Boden über Wochen trocken, geraten sie in Trockenstress. In der Seestadt stehen knapp 1.800 Bäume im öffentlichen Raum, viele davon wurden Jahre vor dem Hochbau gepflanzt, damit sie so früh wie möglch Schatten spenden. Gegossen werden sie ohnehin. Die Frage ist, wann und wie viel. Ein kräftiger Regenguss heißt nicht automatisch, dass die Feuchtigkeit dort ankommt, wo der Baum sie braucht. Genau diese Daten aus dem Boden liefert „Internet of Trees". Im Video zeigen Jakob Kastner, bei der Wien 3420 für den öffentlichen Raum zuständig, und Vorstand Robert Grüneis, wie das in der Praxis aussieht.

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Vier Sensoren pro Standort, zwei Tiefen

Am neuen Nelson-Mandela-Platz, dessen begrünte Stationsdächer die Stadt Wien heuer mit der Architekturauszeichnung „gebaut 2025" prämiert hat, wurden fünf Baumstandorte mit jeweils vier Bodenfeuchtesensoren ausgestattet. Sie sitzen in zwei Tiefen, denn es macht einen Unterschied, ob nur die Oberfläche feucht ist oder auch der Bereich, aus dem die Wurzeln ihr Wasser holen. Ein „Hauptbaum" hat zusätzliche, neuere Sensoren bekommen und liefert besonders viele Daten. Übertragen werden die Messwerte über LoRaWAN, ein Funknetz der Wiener Netze, das kleine Datenmengen über weite Strecken schickt und dabei kaum Strom braucht.

Schwammstadt trifft Sensorik

Dass das Projekt gerade hier stattfindet, ist kein Zufall. Der Nelson-Mandela-Platz ist nach dem Schwammstadt-Prinzip gebaut: Regenwasser rinnt nicht in den Kanal, sondern in einen Untergrund aus Schotter und Substrat, der es speichert und nach und nach an die Wurzeln abgibt. Erstmals hat die Seestadt das Prinzip im Quartier Am Seebogen umgesetzt, dazu kommen Regengärten wie im Elinor-Ostrom-Park. Wie das im Detail funktioniert, erklärt der Beitrag Die Seestadt als Pionierin der Schwammstadt.

Wir versorgen die Bäume mit Wasser aus dem Regen, einer Ressource, die ohnehin da ist und in der herkömmlichen Stadt sonst im Kanal landet.

Portraitfoto von Jakob Kastner

Jakob Kastner

Öffentlicher Raum

Schwammstadt und Sensoren ergänzen einander: Der Schwamm hält das Wasser im Boden, die Sensoren zeigen, ob es bei den Wurzeln ankommt und wie lange es reicht. Wird ein Standort trocken, kann gezielt bewässert werden. Hat er noch Feuchtigkeit gespeichert, erspart sich die MA42 Aufwand und kostbares Gießwasser. In Zukunft soll mit Hilfe von Sensoren auch optimales Bodensubstrat für unterschiedliche Standorte getestet sowie schädliches "Übergießen" verhindert werden.

Ein Wiener Projekt mit Seestädter Testgebiet

„Internet of Trees" wird von Wien Energie geleitet und ist im Auftrag der Aspern Smart City Research (ASCR) entstanden. Die Wiener Netze stellen das Funknetz, die Stadt Wien ist mit den Wiener Stadtgärten (MA 42) dabei, immOH! bearbeitet einen eigenen Projektabschnitt, die Wien 3420 bringt den Nelson-Mandela-Platz als Testgebiet ein. Seit Herbst 2025 stecken in sechs Wiener Testgebieten mehr als 300 Sensoren im Boden. Ziel ist, die Bewässerung effizienter zu planen und weniger Jungbäume zu verlieren. Der heurige Sommer war als erster Feldtest unter Trockenbedingungen eingeplant.

Für die Seestadt ist das eine Fortsetzung: Als Urban Lab der Smart City Wien wird hier erprobt, was später anderswo zum Standard werden kann, etwa das Schwammstadt-Prinzip oder die Geothermie-Erkundung von Wien Energie und OMV. Wie die Seestadt ihre Klimaziele verfolgt, dokumentiert der EVA-Report.

Die Seestadt ist dabei immer wieder ein Role Model für andere Stadtgebiete in Wien und weit darüber hinaus. Ob in der Energieforschung oder wie hier mit einem Projekt wie Internet of Trees: Am Ende geht es darum, unsere Städte klimafit und resilient gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen.

Robert Grüneis

Robert Grüneis

Vorstand der Wien 3420

Gegossen wird in der Seestadt auch in Zukunft. Neu ist, dass die Bäume dabei mitreden.

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