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AnneH

Veröffentlicht am 27.04.2012

Stadtentwicklung | öffentlicher Raum

Der Stadtteil aspern Seestadt ist weiblich

Maria-Trapp-Platz, Ella-Lingens-Straße und Josefine-Hawelka-Weg – die neuen Straßen in aspern Seestadt werden ausschließlich große Frauennamen tragen. ...
Maria-Trapp-Platz, Ella-Lingens-Straße und Josefine-Hawelka-Weg – die neuen Straßen in aspern Seestadt werden ausschließlich große Frauennamen tragen. Damit setzt die Seestadt ein großes Zeichen, obwohl der Beitrag zur Verbesserung der Balance zwischen den Geschlechtern bei der Benennung der Wiener Straßen klein ist. Am 28. Februar 2012 wurden insgesamt 22 Straßenamen für die erste Etappe der Seestadt im Gemeinderatsausschuss beschlossen, die zuvor in einem partizipativen Prozess von 30 ExpertInnen erarbeitet wurden. 3750 männliche Namen stehen in Wien etwa 200 weiblichen Namen im Wiener Straßennetz gegenüber – ein Ungleichgewicht, das den Leistungen der Wienerinnen nicht gerecht wird. Durch den Entschluss, die Straßen in aspern weiblich zu benennen, kann der Anteil von Frauennamen von nur 5 auf nur 7 Prozent gesteigert werden. Die Straßennamen in einer Stadt sind ihr kollektiver Gedächtnisspeicher. In einem partizipativen, wissenschaftlich begleiteten Verfahren wurden für die Benennung der Straßen in aspern sechs Namenswelten ausgearbeitet – immer unter der Prämisse, dass wenn ein Personenname zur Anwendung kommt, dieser weiblich sein musste. Die Identität einer Person wird entscheidend durch ihre Adresse geprägt. Tatsächlich bildet neben dem Namen und dem Geburtsdatum die Adresse das wichtigste Identitätsmerkmal eines Menschen. Nicht nur für formal-rechtliche Festlegungen – wie den Meldezettel – oder für die Sicherstellung öffentlicher Aufgaben – wie Rettungseinsätze – sind Adressen wichtig, auch individuelle Beziehungen drücken sich durch Orte aus. „Man wird sich künftig in der Seestadt vielleicht am Hannah-Arendt-Platz zu einem ersten Date treffen oder gemeinsam auf der Sonnenallee laufen gehen. Straßennamen prägen die Identität eines Stadtteils, darum haben wir uns sehr eingehend mit der Benennung beschäftigt“, sagt Josef Lueger, Prokurst bei der Wien 3420 AG und Projektleiter des „Citynaming-Prozesses“. Seit Sommer 2009 arbeitete das Wiener Institut für sozialwissenschaftliche Dokumentation und Methodik (WISDOM) im Auftrag der Wien 3420 Aspern Development AG an den Strategien für die Straßenbenennung in der Seestadt. Rund 30 ExpertInnen aus dem Bezirk, der Stadt Wien sowie aus den Bereichen Soziologie, Kultur, Architektur und Raumplanung wurden in den Prozess miteinbezogen – als Ergebnis wurden sechs Namenswelten erarbeitet – z. B. die „Gerechten der Völker“. Das sind Menschen, die persönliche Opfer gebracht haben und unter Gefährdung der eigenen Sicherheit, Menschen vor den Gefahren durch die Nazis und den sicheren Tod bewahrten. So wird nach Maria Potesil beispielsweise eine Gasse benannt, da sie die Deportierung ihres Pflegekindes verhindern konnte, das in der Zeit des Nationalsozialismus zu einem „Mischling ersten Grades“ erklärt wurde. In der Namenswelt „Pionierinnen“ finden sich Frauen, die etwas Neues wagen und damit wegbereitend Außergewöhnliches für die Gesellschaft initiieren – vor allem auch Pionierinnen der Sozialwissenschaft, Umwelttechnologie, Energietechnik und Medizin. Ilse Arlt war eine dieser Pionierinnen, nach der eine Straße in aspern benannt wird. Die Nationalökonomin gilt als Wegbereiterin der sozialen Arbeit und gründete beispielsweise die erste Fürsorgerinnen-Schule in Wien. In der Namenswelt „Abschiede und Ankünfte“ findet sich ein besonders klingender Name: Maria Trapp. Ihre Gedanken und Erinnerungen waren Grundlage für das Musical „Sound of Music“, das 1965 auch verfilmt wurde. Hierzulande kaum bekannt, hat „Sound of Music“ das Bild Österreichs im Ausland entscheidend geprägt. Die 2005 verstorbene Wiener Kaffeehaus-Legende Josefine Hawelka ist Vertreterin der Namenswelt „Jugendheros und Alltagsgeschichten“. Eine der wichtigsten Zufahrtsstraßen zur Seestadt wird nach ihr benannt werden. „Work-Life-Balance“ bezeichnet die zeitlose Wunschvorstellung, die darauf abzielt Familie, Freizeit und Job miteinander in Einklang zu bringen und ist – darüber hinaus – eines der Leitthemen für die Entwicklung der Seestadt. Susanne Schmida war nicht nur Gründerin der ältesten Yoga-Schule Wiens, sondern gründete 1921 den „Reiningerkreis“, ein intellektuelles und interkulturelles Gesprächsforum am Institut für Philosophie der Universität Wien. Nach ihr wird eine Gasse in aspern benannt. Klassisch ist die Namenswelt der „Raumbezogenen Welten“ – die raumprägende, ringförmige Hauptverkehrsverbindung in der Seestadt wird dementsprechend „Sonnenallee“ heißen. Die Verbindung von Form und Charakter drückt sich in der Sonne aus, das Wesen der Straße in der Allee. Im Sinne der Unverwechselbarkeit soll es in Wien nur einen Ring geben – darum wird in der Seestadt entgegen dem historischen Vorbild nicht unterbrochen und nicht mit Bedeutung überlagert werden, sondern mit dem Stadtcharakter verbunden und erfrischend einfach sowie wertschätzend sein.
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