Zwei der modernsten Trafostationen im gesamten Netzgebiet der Wiener Netze sind hier in Betrieb. Das Besondere daran: In ihre Entwicklung sind direkt Ergebnisse aus der Aspern Smart City Research (ASCR) eingeflossen, jenem europaweit einzigartigen Energieforschungsprojekt, das seit 2013 in der Seestadt beheimatet ist.
Das Forschungsprojekt ASCR (Aspern Smart City Research) erforscht seit über einem Jahrzehnt, wie das städtische Energiesystem intelligenter, effizienter und klimafreundlicher gestaltet werden kann. Im Smart-Grid-Testbed der Seestadt – mit 12 Netzstationen, 24 Transformatoren und zahlreichen Sensoren – wurde in den vergangenen Jahren erprobt, wie ein Stromnetz schrittweise lernt: zuerst den eigenen Zustand zu erfassen, dann Daten zu analysieren und schließlich eigenständig auf Veränderungen zu reagieren. Genau diese Erkenntnisse stecken nun in den neuen Trafostationen.
Blick in eine der neuen Trafostationen: Die Siemens blueGIS-Schaltanlage arbeitet mit dem klimaneutralen Isoliermedium Clean Air – ganz ohne SF6-Gas.
Die Stationen sind mit Sensoren ausgestattet und digital an die Zentrale der Wiener Netze angebunden. Energieflüsse lassen sich dadurch in Echtzeit überwachen und die Versorgungssicherheit auf ein noch stabileres Niveau heben. Im Störungsfall kann ferngesteuert auf ein anderes Stromkabel umgeschaltet werden, was den Anfahrtsweg erspart und Versorgungsunterbrechungen deutlich rascher beheben lässt.
Auch die Auslastung der Anlagen wird aus der Ferne beurteilt, Fehler frühzeitig erkannt und die Lebensdauer der Infrastruktur verlängert. In Wien und Umgebung sind mittlerweile mehr als 400 Trafostationen auf diese Weise digitalisiert – die beiden neuen Stationen in der Seestadt bilden dabei die technologische Speerspitze.
Klimaschutz konkret: Schluss mit SF6
Eine weitere Innovation betrifft die Umweltverträglichkeit: Die neuen Schaltanlagen kommen vollständig ohne das klimaschädliche Isoliergas SF6 aus und setzen stattdessen auf das klimaneutrale Isoliermedium Clean Air. Ab 2026 werden alle neuen Trafostationen der Wiener Netze nach diesem Standard gebaut. Ein konkreter Beitrag zum Klimaschutz, der in der Seestadt seinen Anfang nimmt.
Das Timing ist kein Zufall. Seit 2024 läuft die dritte Programmperiode der ASCR unter dem Motto „NeXt Level. 2028“, ausgestattet mit rund 36 Millionen Euro. Über 100 Expert*innen arbeiten daran, die bisher entwickelten Lösungen auf die gesamte Stadt zu skalieren. Zu den aktuellen Schwerpunkten zählen der Aufbau eines digitalisierten Verteilnetzes als Grundlage für die Energiewende, die Integration von E-Mobilität in bestehende Netzinfrastruktur und die Entwicklung ganzheitlicher Energiekonzepte für ganze Quartiere. Erst im vergangenen Jahr wurde die ASCR-Forschung zur Integration von E-Ladeinfrastruktur in städtische Niederspannungsnetze auf der internationalen CIRED-Konferenz in Genf präsentiert.
„Die Seestadt als Blaupause für die Stadt von morgen“
Als Vorstand der Wien 3420 aspern Development AG kennt Robert Grüneis beide Seiten: Von 2017 bis 2022 leitete er die ASCR als Co-Geschäftsführer, heute verantwortet er die Entwicklung jenes Stadtteils, in dem die Forschungsergebnisse Realität werden.
Was in der Seestadt erforscht und erprobt wird, bleibt nicht in der Seestadt. Die neuen Trafostationen zeigen eindrucksvoll, wie aus jahrelanger Grundlagenforschung handfeste Infrastruktur wird, die den Alltag der Menschen verbessert – und gleichzeitig dem Klima nützt. Die Seestadt ist damit eine Blaupause für die intelligente, nachhaltige Stadt von morgen.
Robert Grüneis
Vorstand der Wien 3420
Hintergrund: Das Stromnetz der Wiener Netze
Das Stromnetz der Wiener Netze erstreckt sich über rund 20.800 Kilometer. 47 Umspannwerke und rund 11.000 Trafostationen sorgen für den verlässlichen Energietransport zu mehr als zwei Millionen Kund*innen in Wien und Umgebung. Mit jährlichen Investitionen von über 440 Millionen Euro in Instandhaltung und Ausbau gehören die Wiener Netze zu den größten Infrastrukturbetreibern des Landes.
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