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Stadtentwicklung | Innovation | Nachhaltigkeit

Wenn Forschung ins Stromnetz fließt: Neue Trafostationen in der Seestadt

4 Minuten
Zwei der modernsten Trafostationen im gesamten Netzgebiet der Wiener Netze sind hier in Betrieb. Das Besondere daran: In ihre Entwicklung sind direkt Ergebnisse aus der Aspern Smart City Research (ASCR) eingeflossen, jenem europaweit einzigartigen Energieforschungsprojekt, das seit 2013 in der Seestadt beheimatet ist.
Skyline der Seestadt Aspern in Wien bei Nacht mit beleuchteten Wohngebäuden und Spiegelung im Wasser.
© Luiza Puiu

Vom Forschungslabor in die Infrastruktur

Das Forschungsprojekt ASCR (Aspern Smart City Research) erforscht seit über einem Jahrzehnt, wie das städtische Energiesystem intelligenter, effizienter und klimafreundlicher gestaltet werden kann. Im Smart-Grid-Testbed der Seestadt – mit 12 Netzstationen, 24 Transformatoren und zahlreichen Sensoren – wurde in den vergangenen Jahren erprobt, wie ein Stromnetz schrittweise lernt: zuerst den eigenen Zustand zu erfassen, dann Daten zu analysieren und schließlich eigenständig auf Veränderungen zu reagieren. Genau diese Erkenntnisse stecken nun in den neuen Trafostationen.

„Die Seestadt als Blaupause für die Stadt von morgen“

Als Vorstand der Wien 3420 aspern Development AG kennt Robert Grüneis beide Seiten:  Von 2017 bis 2022 leitete er die ASCR als Co-Geschäftsführer, heute verantwortet er die Entwicklung jenes Stadtteils, in dem die Forschungsergebnisse Realität werden.

Robert Grüneis präsentiert ein Bauprojekt während einer Veranstaltung auf der Bühne.
© Stefan Casanova

Was in der Seestadt erforscht und erprobt wird, bleibt nicht in der Seestadt. Die neuen Trafostationen zeigen eindrucksvoll, wie aus Grundlagenforschung handfeste Infrastruktur wird, die den Alltag der Menschen verbessert und gleichzeitig dem Klima nützt. Die Seestadt ist damit eine Blaupause für die intelligente, nachhaltige Stadt von morgen.

Robert Grüneis

Robert Grüneis

Vorstand der Wien 3420

Die Trafostationen sind mit Sensoren ausgestattet und digital an die Zentrale der Wiener Netze angebunden. Energieflüsse lassen sich dadurch in Echtzeit überwachen. Im Störungsfall kann ferngesteuert auf ein anderes Stromkabel umgeschaltet werden, was den Anfahrtsweg erspart und Versorgungsunterbrechungen deutlich rascher beheben lässt.

Moderne Trafostation mit Siemens Mittelspannungsschaltanlage (blue GIS) zur sicheren Stromverteilung in einem Technikraum.
© Manfred Tucherl

Blick in eine der beiden neuen Trafostationen: Sensoren und digitale Anbindung ermöglichen die Echtzeitüberwachung des gesamten Energieflusses.

Auch die Auslastung der Anlagen wird aus der Ferne beurteilt, Fehler frühzeitig erkannt und die Lebensdauer der Infrastruktur verlängert. In Wien und Umgebung sind mittlerweile mehr als 400 Trafostationen auf diese Weise digitalisiert – die beiden neuen Stationen in der Seestadt bilden dabei die technologische Speerspitze.

Diese Daten ermöglichen uns, die Energieflüsse in Echtzeit zu kontrollieren und damit die Versorgungssicherheit auf ein noch stabileres Niveau zu heben als bisher.

Potraitaufnahme von Gerhard Fida, Vorsitzender der Geschäftsführung der Wiener Netze

Gerhard Fida

Vorsitzender der Geschäftsführung der Wiener Netze

Klimaschutz konkret: Schluss mit SF6

Eine weitere Innovation betrifft die Umweltverträglichkeit: Die neuen Schaltanlagen kommen vollständig ohne das Isoliergas SF6 aus und setzen stattdessen auf das klimaneutrale Isoliermedium Clean Air. Seit Anfang 2026 werden alle neuen Trafostationen der Wiener Netze nach diesem Standard gebaut. Ein konkreter Beitrag zum Klimaschutz, der in der Seestadt seinen Anfang nimmt.

Siemens blue GIS 8DJH24 Mittelspannungsschaltanlage mit Trafosteuerung in einer modernen Trafostation.
© Manfred Tucherl

Statt des SF6-Gases kommt in der blueGIS-Schaltanlage das klimaneutrale Isoliermedium Clean Air zum Einsatz – seit Anfang 2026 Standard für alle neuen Trafostationen der Wiener Netze.

ASCR: Dritte Phase mit klarem Fokus

Das Timing ist kein Zufall. Seit 2024 läuft die dritte Programmperiode der ASCR unter dem Motto „NeXt Level. 2028“, ausgestattet mit 36 Millionen Euro. Über 100 Expert*innen arbeiten an neuen und weiterentwickelten Lösungen für die Energiezukunft im urbanen Bereich. Zu den aktuellen Schwerpunkten zählen die Weiterentwicklung des digitalisierten Stromnetzes der Zukunft, "Raus aus Gas" im Bestandsgebäude für Wohnen und Arbeiten, die Transformation von smarten Gebäuden zu autonomen Gebäuden, intelligente Infrastruktur für Elektromobilität und digitalisierte Services für eine Smart City.  Erst im vergangenen Jahr wurde die ASCR-Forschung zur Integration von E-Ladeinfrastruktur in städtische Niederspannungsnetze auf der internationalen CIRED-Konferenz in Genf präsentiert.

Hintergrund: Das Stromnetz der Wiener Netze

Das Stromnetz der Wiener Netze erstreckt sich über rund 20.800 Kilometer. 47 Umspannwerke und rund 11.000 Trafostationen sorgen für den verlässlichen Energietransport zu mehr als zwei Millionen Kund*innen in Wien und Umgebung. In Trafostationen wird Mittelspannung in jene Niederspannung umgewandelt, die in Haushalten und Betrieben ankommt. Als Österreichs größter Kombinetzbetreiber investieren die Wiener Netze jährlich mehr als 440 Millionen Euro in Instandhaltung und Ausbau ihrer Netze.

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