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Autor*in

Anna Gruber

Veröffentlicht am 13.02.2025

Aus dem Business Magazin "Workflow"

02/2025 Über das Wachsen.

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Robin wird flügge

12 Minuten
Frisch eröffnet, zeigt der nachhaltigste Workspace der Stadt, wie modernes Arbeiten, Lernen und gemeinschaftliches Leben perfekt ineinandergreifen können.
Gebäude Robin
© Akos Burg

Manche Gebäude leben einfach. ROBIN gehört dazu. Spricht man mit den Menschen dahinter, Nutzern, Entwicklern, dann bekommt man fast den Eindruck eines denkenden, atmenden Wesens. Doch alles der Reihe nach. „Das Objekt ist wunderschön“, erzählt Paul Nagler, der seine Rechtsanwaltskanzlei vor kurzem ins ROBIN verlegt hat. „Das ist natürlich ein wichtiger Punkt. Dazu kommt, dass die Lage innerhalb der Seestadt einfach perfekt ist: es liegt sehr zentral, ist an die U-Bahn angebunden, nahe am Hauptplatz, auch der See ist nicht weit. Post und Gastronomie sind in der Nähe, was natürlich praktisch ist. Und es ist auch irgendwie ein Landmark, man kann es überall sehen, es fällt auf“, zählt der Obmann des Vereins „Gutes aus der Seestadt“ weiter auf. Man merkt: Auch wenn die Checkliste passt – es ist der Wohlfühlfaktor, der Nagler wirklich überzeugt. „Es ist einfach angenehm – es ist hell, hat hohe Räume. Die Farben sind ruhig und sehr stimmig mit der Linienführung. Insgesamt ist alles einfach sehr harmonisch im Zusammenspiel.“

Unternehmertum am Spielplatz

Deutlich bunter geht es bei Coccodrillo zu – denn hier dreht sich alles um das Spielerische. Und zwar auf ganz unterschiedlichen Ebenen: Denn die beiden Schwestern und Unternehmerinnen Manuela Renner und Tamara Baumgartner-Renner haben hier einen Erlebnisraum für Kinder aller Altersgruppen geschaffen: Der Indoorspielplatz bietet jede Menge Abenteuer für die Kleinen, ist aber so konzipiert, dass sich auch die Eltern in den gemütlichen Lounges wohlfühlen, während der Nachwuchs sich auspowert. Mit dem Karenzcafé bietet man hier außerdem ein Format an, bei dem karenzierte Mitarbeiter und jene mit Kindern zusammenkommen, um Erfahrungen auszutauschen und einfach auf dem Laufenden zu bleiben. „Ich bin selbst Mutter von zwei Kindern“, erzählt Baumgartner-Renner, „und es passiert einfach leicht, dass man sich aus den Augen verliert, nicht auf dem Laufenden bleibt – und wenn man dann zurückkommt, tauchen Schwierigkeiten auf. Wir wollten einfach eine Plattform schaffen, die den Wiedereinstieg erleichtert – durch Austausch, durch Vorträge, das kann ganz unterschiedlich sein.“ Und dann gibt es da noch das „Start-up Lab“, das die beiden erfinderischen Unternehmerinnen für Jugendliche entworfen haben:

„Wir möchten vermitteln, was Unternehmertum eigentlich bedeutet, was es dafür braucht, wie es in der Praxis aussieht. Und anhand des Indoorspielplatzes Coccodrillo kann man das sehr gut veranschaulichen“

Manuela Renner

Und Renner erzählt: „Es wollen ja immer alle Social Media Manager werden. Dann sagen wir ihnen: Na gut, dann überlegt euch doch einmal, wie ihr diesen Indoorspielplatz dort darstellen würdet? Was wäre eure Strategie?‘“ Den passenden Raum für all das zu finden – das wird wohl niemanden verwundern – war nicht einfach. „Das Schöne am ROBIN ist, dass es so flexibel ist – wir konnten es gestalten, wie wir wollten. Wir haben bewusst Zwischenwände weggelassen, wo immer es möglich war, das haben wir auch sehr genau vorher mit SORAVIA abgestimmt. So haben wir jetzt ein sehr großes Open Space Konzept.“ Insbesondere die Fenster seien ein zusätzliches Asset: „Indoorspielplätze sind oft dunkle Hallen, hier nicht. Das bringt auch eine zusätzliche Flexibilität in der Nutzung für das Karenzcafé oder als Seminarraum.“

Innenraum mit diversen Sitzgelegenheiten.
© Winterly Pure Family
Spielraum für Kinder mit mehreren Reto Rutschautos.
© Winterly Pure Family

Erlebnisraum im ROBIN

Robin denkt mit

Nicht nur, was die Lichtsituation angeht, ist ROBIN außerhalb der Norm. Ein kleines Klicken und anschließendes Surren kündigt an, wenn ROBIN lüften möchte. „Ja, das passiert ein paar Mal am Tag, dass plötzlich die Fenster aufgehen“, schmunzelt Nagler. Denn ROBIN reguliert sich selbstständig, erklärt Anna van der Veeken, verantwortlich für Projektdevelopment beim Entwickler SORAVIA, der hinter ROBIN steht: „In allen Flächen sind Sensoren verbaut, die Temperatur und Lüftung regulieren. Außerdem gibt es Sensoren an der Außenhülle. Dahinter steht eine Software, die das Gebäude reguliert.“ Diese Software ruft beispielsweise auch Wetterprognosen ab und bezieht sie in die Gebäuderegulierung mit ein. 

„Wenn das System weiß, dass in ein paar Tagen ein Kälteeinbruch kommt, dann kann es das Gebäude darauf vorbereiten – denn das System braucht eine gewisse Vorbereitungszeit.“ Das liegt daran, erklärt van der Veeken, dass ROBIN sehr viel Speichermasse hat: „Wir nehmen damit wieder Bautechniken auf, die über Jahrhunderte verwendet wurden – denken Sie an alte Bauernhäuser, mit ihren dicken Wänden. Diese Gebäude brauchen ein bisschen, bis sie sich aufheizen, aber dann speichern sie die Wärme sehr lange – genauso im Sommer, wo es sehr lange angenehm kühl bleibt. Genauso halten wir es mit ROBIN – wir haben deshalb auch Ziegel verwendet statt Beton.“

Mann steht angelehnt am Tresen am Eingangsbereich.
© Akos Burg

Neuzugang. Rechtsanwalt Paul Nagler ist von seinen neuen Räumlichkeiten im ROBIN restlos begeistert. Lage, Kosten und Flexibilität der Bauträger, alles passt.

Kombiniert mit einem intelligenten System, das diese Speichermasse nutzt und steuert, ergibt das nicht nur einen geringen CO2-Abdruck, sondern auch sehr niedrige Betriebskosten für die Nutzer: „Wir liegen jetzt bei ungefähr 2,50 pro Quadratmeter“, so van der Veeken. Am Anfang war ROBIN noch ein wenig in einer Selbstfindungsphase, erzählt Nagler: „Wir bekommen auch immer noch oft die Bitte um Feedback von der Hausverwaltung: ,Ist es zu heiß oder zu kalt?‘ Anfangs hat man noch ein bisschen experimentiert, wo dieser Sweet Spot ist, bei dem sich alle wohlfühlen – und jetzt passt es sehr gut.“

Weißes Gebäude mit der Aufschrift Hochschul Hub.
© Akos Burg

Lebewesen. Spricht man mit den Entwicklern oder Unternehmern, die im ROBIN arbeiten, glaubt man fast, es mit einem lebenden Geschöpf zu tun zu haben. 

Raum für nachhaltige Bildung

Einen Sweet Spot hat auch die Privatuniversität Schloss Seeburg in ROBIN gefunden, die einen Teil des Gebäudes als Lehr- und Lernumgebung nutzt, erklärt Kanzlerin und Leiterin der Universitätsverwaltung, Sandra Puchner: „Die Seestadt bietet durch ihre hervorragende Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr eine ideale Erreichbarkeit von der Wiener Innenstadt und ist damit für unsere Studierenden bestens geeignet. Gleichzeitig harmoniert die Einbettung in die Natur perfekt mit dem Gebäudekonzept und unserer nachhaltigen Ausrichtung. Mit der Eröffnung dieses Standorts setzen wir ein klares und zukunftsweisendes Zeichen: Wir investieren in die Zukunft.“

In Zukunft möchte man auch die Nachbarschaft nutzen, um das eigene Studienangebot praxisnah auszubauen und Netzwerke zu schaffen: „Die Studierenden der Privatuniversität Schloss Seeburg sind vielfältig, doch sie verbindet ein gemeinsames Ziel: Der Wunsch nach einer praxisnahen, flexiblen und zukunftsorientierten Ausbildung. Unsere Universität richtet sich besonders an berufstätige Studierende sowie an Menschen mit besonderen Herausforderungen, wie beispielsweise mit Familie oder Spitzensportler. Derzeit befinden wir uns in einem aktiven Austausch mit den benachbarten Unternehmen und Organisationen, um diese besser kennenzulernen und mögliche Synergien auszuloten. Schon jetzt zeichnen sich spannende Ansätze und vielversprechende Kooperationsmöglichkeiten ab, die das Potenzial haben, unseren Standort weiter zu stärken. Besonders im Bereich Fußball sehen wir durch die räumliche Nähe zur zukünftigen Akademie des ÖFB interessante Perspektiven. Da wir bereits in verschiedenen Projekten erfolgreich mit dem ÖFB zusammenarbeiten, eröffnet uns diese Nähe neue Möglichkeiten, die bestehende Partnerschaft auszubauen und die Vernetzung in diesem Segment zu intensivieren.“

Glasschild mit mehreren Universitäts- und Hochschulnamen.
© Akos Burg
Treppenhaus aus der Vogelperspektive.
© Akos Burg

Neues Leben. Neben der Privatuniversität Schloss Seeburg ziehen weitere Hochschul-Institute und Lokale ein.

Verein Gutes aus der Seestadt

Ein harmonisches Zusammenspiel ist es auch, was sich Paul Naglers Verein „Gutes aus der Seestadt“ zur Aufgabe gemacht hat. Dabei liegt der Fokus auf einer Vernetzung der Mitgliedsbetriebe untereinander und darüber hinaus. Außerdem kooperiert man bei der Bewerbung von Produkten und Dienstleistungen und organisiert Veranstaltungen. Dazu gehören heuer etwa der „Seestadt Adventkranz“, bei dem jedes Adventwochenende eine andere weihnachtliche Aktivität angeboten wird, aber auch das Seestadt Straßenfest oder Events wie die Show „FALCO Forever“ im vergangenen Sommer.

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