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Autor*in

Christian Lenoble

Veröffentlicht am 13.02.2025

Aus dem Business Magazin "Workflow"

02/2025 Über das Wachsen.

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„Zum Nutzen der Seestadt“

8 Minuten
In der Seestadt steht der mittlerweile fünfte Bauträger-Wettbewerb des wohnfonds_wien und der Wien 3420 an. wohnfonds_wien-Geschäftsführer Gregor Puscher und der stellvertretende Geschäftsführer Dieter Groschopf im Interview.
Zwei Männer mit Anzug und Krawatte.
© Georg Wilke

Wie lauten die Schwerpunktthemen und was dürfen sich die künftigen Bewohner des Quartiers Seecarré erwarten? Ein Gespräch über Klimafitness, Offenheit und ein erstes Fazit.

Der wohnfonds_wien ist für die Bereitstellung und Entwicklung von Grundstücken für den sozialen Wohnbau verantwortlich. Welche Rolle spielen dabei Bauträger-Wettbewerbe?


Gregor Puscher: Seit der Einführung der vom wohnfonds_wien ausgeschriebenen Bauträger-Wettbewerbe im Jahr 1995 werden alle Wohnbauprojekte, die mit Mitteln der Wohnbauförderung des Landes Wien gefördert errichtet werden, nach den Kriterien Architektur, Ökonomie, Ökologie sowie soziale Nachhaltigkeit bewertet. Durch diese Themenstellungen der Wettbewerbsverfahren können ganz gezielt Schwerpunkte gesetzt werden, die sich bei jedem einzelnen Projekt an den ortsspezifischen Bedürfnissen der Bevölkerung orientieren. Für die Bewertung ist eine interdisziplinäre und unabhängige Jury zuständig. Diese setzt sich aus Experten aller relevanten Themengebiete zusammen und beurteilt Projekte in objektiver und kritischer Weise. Bauträger-Wettbewerbe stellen ein maßgebliches Lenkungs- und Qualitätssicherungsinstrument der Stadt dar, wenn es darum geht, ein bedarfsgerechtes und leistbares Wohnungsangebot zu schaffen.

Dieter Groschopf: Die offene Kriterienliste der vier Säulen Architektur, Soziale Nachhaltigkeit, Ökonomie und Ökologie verstehen wir als eine Anregung zu einer vertiefenden Auseinandersetzung rund um die Qualitäten des geförderten Wohnbaus in Wien. Wichtig ist die Flexibilität, um offen für neue Ideen und Konzepte zu bleiben. Diese Offenheit ist notwendig, um den gesellschaftspolitischen Entwicklungen und Veränderungen gerecht zu werden.

Kinder spielen in einer begrünten Wohnanlage.
© aspern Seestadt

Klimafitte Straße. Im Seecarré wird nach den Prinzipien des kreislauffähigen Bauens für die nächsten Generationen geplant. So wird leistbarer und nachhaltiger Lebensraum geschaffen.

In der Seestadt steht der mittlerweile fünfte Bauträger-Wettbewerb des wohnfonds_wien und der Wien 3420 an. Es geht um die Entwicklung von zwei Baufeldern im Quartier Seecarré. Welche Schwerpunkte werden hier gesetzt?

Gregor Puscher: Das Seecarré zeichnet sich unter anderem durch ein innovatives Grünraumkonzept aus, wird nach dem Seestädter Gebäudestandard aspern klimafit errichtet und soll ein eigenes Anergienetz bekommen, sprich eine besonders ökologische Variante eines Wärmeversorgungsnetzes, das mit niedrigen Übertragungstemperaturen in der Nähe der Umgebungstemperatur arbeitet und daher sowohl Wärme als auch Kälte bereitstellen kann. Dem Energie- und Ökologiethema kommt also große Bedeutung zu – was in der Seestadt, die als Klimavorzeigestadtteil gilt, nichts Neues ist. Zum Thema Klimafitness gehören auch die Aspekte Klimaresilienz und Ressourcenschutz, Stichwort kreislauffähiges Bauen. Dabei geht es darum, Gebäude so zu gestalten und zu errichten, dass ihre Materialien am Ende ihrer Nutzungsdauer wiederverwendet, recycelt oder biologisch abgebaut werden können.

Dieter Groschopf: Das Seecarré steht zudem im Zeichen eines weiteren großen gesellschaftlichen Themas, bei dem der demografischen Entwicklung Rechnung getragen wird. Konkret geht es um Wohnungsangebote für die ältere Bevölkerung, um selbständiges, betreubares und betreutes Wohnen. Dabei spielen auch die Nutzungen leicht zugänglicher Erdgeschoßzonen für die funktionale Begegnung eine Rolle. Im Fokus stehen weiters Wohnformen für Alleinerziehende und ein Gesundheitsschwerpunkt.


Die Seestadt hat mit der Strategie-Evaluierung EVA u. a. eine Zwischenbilanz gezogen. Wie sieht Ihr bisheriges Fazit mit Blick auf die Entwicklung dieses neuen Stadtteils in den vergangenen zehn Jahren aus?


Gregor Puscher: Die Seestadt ist aus unserer Sicht ein herausragendes Beispiel für nachhaltige und zukunftsorientierte Quartiersentwicklung. Das wird auch von der Fachwelt honoriert, was aus den Rückmeldungen der zahlreichen Besucherdelegationen abzulesen ist. Als Entwickler leistet die Wien 3420 ausgezeichnete Arbeit. Sie sind vor Ort, kennen den Alltag der Bewohner und Wirtschaftstreibenden, sind Ansprechpartner und Anlaufstelle und kümmern sich um alles, was mit der Entwicklung der Seestadt zu tun hat. Diese Präsenz ist ein Garant für eine positive Identifikation der Menschen, die hier wohnen und arbeiten − und somit ein zentraler Erfolgsparameter. Wir blicken mittlerweile auf vier abgeschlossene, erfolgreiche Bauträger-Wettbewerbe zurück, mit denen geeignete leistbare Wohnlösungen und städtebauliche Akzente umgesetzt wurden. Und wir sind sehr zuversichtlich, dass mit dem Bauträger-Wettbewerb im Quartier Seecarré ein weiterer Beitrag für die Vielfalt des umfangreichen Wohnungsangebots geleistet wird. Zum Nutzen der Seestädter. Weil nur darum geht es schlussendlich.

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