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Wien 3420 AG

Veröffentlicht am 09.03.2021

leben | Unternehmen | Innovation

Innovative Unternehmen in der Seestadt – Andrea Czernin und Martin Rohla im Gespräch

Dieses Gespräch sowie weitere spannende Artikel lesen Sie online in der aktuellen Ausgabe des Magazins workflow – Moderne Arbeitswelten in der Seestadt.Je...
Andrea Czernin und Martin Rohla
© Carolina Frank
Dieses Gespräch sowie weitere spannende Artikel lesen Sie online in der aktuellen Ausgabe des Magazins workflow – Moderne Arbeitswelten in der Seestadt.Jetzt lesenAndrea Czernin baut die modernste Eventhalle Österreichs, Martin Rohla eröffnet einen weiteren „Habibi & Hawara“-Standort– und beide haben in der Seestadt ein Zuhause für ihre Ideen gefunden. Ein Gespräch über Vision, Überzeugung und Mut.Von Barbara Wallner"Ich liebe Eis und kann mir nichts Schöneres als einen Eissalon nebenan vorstellen!“ Andrea Czernin, Geschäftsführerin der Ariana Event GmbH, freut sich schon jetzt auf ihre neuen Nachbarn. In der Seestadt, wo die Edith-Piaf-Straße in den Maria-Trapp-Platz mündet, zwischen einem Unternehmen für Sicherheitstechnik und der Eismanufaktur des Eissalons am Schwedenplatz, wird 2021 Wiens modernste Eventhalle, genannt Ariana, eröffnen. „Das geht sich aus“, ist Czernin vom Zeitplan überzeugt. Und schon als ihr dieses Grundstück gezeigt wurde, war klar: „Ich muss es haben.“Nachbarschaftshilfe. Über ein Jahr habe die Suche nach einem geeigneten Platz gedauert, seien doch viele Gewerbegebiete wenig attraktiv – und auch, als man dann die Seestadt für sich entdeckt hatte, war noch nichts in Stein gemeißelt: „Es ist ja auch gar nicht so leicht, hier ein Grundstück zu erwerben“, sagt Czernin. „Schließlich ist die Seestadt eines der größten städtebaulichen Projekte in Europa – da sind die Verantwortlichen aus gutem Grund umsichtig.“ Und das merke man nicht nur bei der Auswahl der Projekte, sondern auch am Zusammenhalt: „Als wir begonnen haben, haben uns die Nachbarn sofort angeboten, ihre Besprechungsräume zu nutzen, bis unsere Baucontainer aufgebaut sind.“ In Zukunft wird Czernin sicher öfter im Habibi & Hawara zu sehen sein. Der fünfte Standort der Restaurants im Social-Franchise-System eröffnet im Seeparkquartier, im Gebäudekomplex Sirius, gleich bei der U2-Station. Geplant war die Eröffnung mit 120 Sitzplätzen drinnen, einem Schanigarten draußen und orientalisch-österreichischen Rezepten in der Küche schon für den vergangenen November. Doch Corona machte auch hier einen Strich durch die Rechnung. Mitte Dezember 2020 waren die Bauarbeiten im Sirius am Simone-de-Beauvoir-Platz weit gediehen. „Wir sind hoffnungsfroh, im März 2021 eröffnen zu können“, sagt Investor und „Habibi & Hawara“-Gründer Martin Rohla, den „workflow“ gemeinsam mit Andrea Czernin zu einem Gespräch über ihre aktuellen Projekte in der Seestadt, aber auch über Mut und Visionen im unternehmerischen und im allgemeinen Sinne gebeten hat.Unternehmensinkubator. Martin Rohla erzählt von den Anfängen des Gastro-Konzepts, das in Wien ganz wunderbar ankommt: „Begonnen hat es im Juli 2015 in der Stadtflucht Bergmühle, einer Biolandwirtschaft mit angeschlossenem Agriturismo-Konzept, die ich betreibe. Eine sehr malerische, gemütliche und schöne Location. Und als die Flüchtlingskrise am Aufkommen war, hatten wir die Idee: Wir öffnen das Areal für Geflüchtete, um traumatisierten Menschen zu ermöglichen, einen entspannten Tag zu verbringen.“ Gemeinsam mit Caritas und Diakonie seien busweise Menschen zur Bergmühle gekommen, wo Vereinsmitglieder, deren Familie und Freunde – und später auch Unternehmen – sie als Gastgeber begrüßten. Hosten statt Posten ist das Motto, mit dem Rohla das Bild von Grillfeiern, Ballspielen und Gesprächen der abstrakten Flut von Postings und Kommentaren auf Social Media gegenüberstellt. „Wenn man sich so kennenlernt, bekommt man ein Gefühl für das Potenzial, das vorhanden ist. Das Habibi & Hawara ist kein Restaurant“, stellt Rohla klar. „Es ist ein Unternehmensinkubator.“ Denn hier lernen Flüchtlinge nicht kochen, sie lernen Unternehmertum: „Es geht nicht nur darum, Arbeitsplätze zu schaffen, sondern Unternehmer zu kreieren.“ Eine großartige Idee, findet Andrea Czernin. Schließlich müsse man bedenken, dass viele Menschen mit guter Ausbildung, die ihre Heimat unverschuldet verlassen müssen, hier weit unter ihrer eigentlichen Qualifikation und Kompetenz arbeiten.Feierfläche. Während in der Fusionsküche des Habibi & Hawara die Kulturen sich gegenseitig würzen, geht Event-Location Ariana den Weg der neutralen Fläche als Gestaltungsspielraum. Direkt an der U2-Station Seestadt wird an sechs kombinierbaren Eventflächen gebaut, mit Freiflächen kommt man auf über 2000 Quadratmeter. Die Halle soll die modernste Location Österreichs werden, mit smarter Technik in Sachen Licht (mit Echtzeitsteuerung) über den Ton (das Tontechnikteam der Wiener Sängerknaben entwickelt die Akustik) bis hin zu Raumklima und Sicherheit (Hygienestandards, Belüftungssystem). So will man künftig jede Menge B2B-Veranstaltungen von Messen über Tagungen bis hin zu Firmenevents in die Seestadt holen, auch für private Feiern ist man gerüstet. Eine „kulturelle Tabula rasa“ soll die Halle sein, für die Czernin mit Partner Zaki Ander, er hat afghanische Wurzeln, die Idee hatte. Hier sollen sich Menschen aus allen Kulturkreisen wohlfühlen, sich bei Meetings, Messen, Feiern treffen. Als 2017 die Idee für Ariana geboren wird, gibt es Habibi & Hawara ein knappes Jahr. Dessen Anfang war holprig: „Ich hatte ja keine Ahnung von Gastro – und so haben wir am Anfang jeden Fehler gemacht, den man nur machen kann“, erzählt Rohla. Eine „Geldverbrennungsmaschine sondergleichen“ sei es gewesen, das erste Habibi & Hawara in der Wipplingerstraße. Man habe Geld nachgeschossen – über Rohlas Beteiligungsunternehmen Goodshares – und Profis von Motto am Fluss und Figlmüller abgeworben. „Und ab dann ist es gelaufen.“Überzeugungstäter. Das Lokal in der Seestadt wird das fünfte sein – und sicher nicht das letzte. „Ich war mein Leben lang Unternehmer und weiß so aus Erfahrung, wie man in kritischen Zeiten entscheidet – und die mutige Entscheidung ist immer besser als die furchtsame“, denkt Rohla nun über Mut nach. Auf jeden Fall, stimmt Czernin zu, sie selbst sei oft darauf angesprochen worden, wie mutig es sei, gerade jetzt eine Eventhalle zu bauen. „Meine Antwort war immer: Wenn nicht jetzt, wann dann? Man muss als Unternehmer positiv in die Zukunft schauen, sonst ist es besser, man lässt es gleich.“ Das Wort Mut sei vielleicht gar nicht das richtige, so Czernin weiter. „Eher Überzeugung. Wenn ich furchtsam bin, bin ich nicht überzeugt. Und wenn ich überzeugt bin, muss ich nicht mehr mutig sein.“ Rohla sieht das ganz ähnlich: Bei Goodshares, das an mehr als 20 analogen und nachhaltigen Ideen beteiligt ist, präsentieren fünf bis zehn Start-ups pro Woche ihre Ideen. „Und wir sehen uns immer die Menschen als erstes an. People – Market – Idea, das ist die Reihenfolge. Wenn die GründerInnen nicht für ihre Idee brennen, gibt es keinen zweiten Termin“, so Rohla, der auch als Investorenjuror für die Sendung „2Minuten2Millionen“ fungiert.Verantwortungsgefühl. „Mutige Unternehmer sind innovative Unternehmer“, sagt Czernin. „Man muss auf die Umwelt reagieren, auf den Markt, auf Veränderungen – immer bereit sein, etwas Neues zu schaffen.“ Und so mutig sein, eine Idee wegzuschmeißen „und einen Haken um neunzig Grad zu schlagen“, ergänzt Rohla. Der Weg zum Ziel sei nicht die langsame Gerade, sondern das rasche Zickzack. „Plan A funktioniert nie. Plan B auch nicht. Plan C ein bisschen und Plan D ist dann besser als alle zusammen“, schmunzelt Rohla. Und für ein solches Zickzack sei Österreich ein idealer Nährboden, auf dem freies Denken und Entfaltung wachsen können, meint Czernin. Rohla ortet in Österreich unglaubliche unternehmerische Kraft und Potenzial, das liege auch daran, dass das Land „dieser wunderbare Melting Pot of Nations ist, aufgrund seiner Vergangenheit“. Das gebe uns auch jede Menge Verantwortung: „In Österreich geboren zu werden, ist ein Lottosechser, für den wir nichts getan haben. Das sollte in uns Demut hervorrufen – und damit meine ich nicht, auf Erbsen zu knien, sondern die eigene Verantwortung zu spüren, anderen zu helfen, die dieses Glück nicht hatten.“ In den neuen „Habibi & Hawara“-Restaurants seien deshalb Geflüchtete Mitgesellschafter der GmbHs – auch in der Seestadt werde eine „wunderbare junge Dame“ mit zehn Prozent an dem Restaurant beteiligt sein. Auch die direkte Umgebung inspiriert und motiviert: „Man ist hier in der Seestadt offen gegenüber dem anderen, gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund“, so Czernin. Das sei ein wichtiger Aspekt bei der Entscheidung für den Standort gewesen – und der Faktor Überzeugung: „Unser ganzes Team steht zu hundert Prozent hinter diesem Projekt Seestadt. Ich glaube, dass man nur so und mit absoluter Begeisterung eine Sache erfolgreich auf die Beine stellen kann.“Herzblut. Das bemerkte auch Rohla, als die Seestadt Habibi & Hawara im Rahmen des Konzepts der gemanagten Einkaufsstraßen für einen neuen Standort kontaktierte. „Man wollte nicht nur einen guten Branchenmix, sondern auch innerhalb der Branchen die richtigen Konzepte.“ Man habe sich das Lokal angesehen, die Leute kennengelernt. „Ich war begeistert. Man merkt, dieses ganze Team, das hinter der Seestadt steht, macht das wirklich mit Herzblut. Und das wird langfristig ein großer Teil des Erfolgs sein.“Zu den Personen:Andrea Czernin leitete lang ein Architekturbüro, machte sich nun mit der Ariana Event GmbH selbstständig.Martin Rohla ist Investor und legt mit seinem Unternehmen Goodshares den Fokus auf die Unterstützung nachhaltiger Start-ups.Zu den Unternehmen:Ariana Event GmbH. 2017 entstand die Idee für die Eventhalle für Kongresse, Tagungen, Messen. Gebaut wird an 1300 m2 mit modernstem Equipment, es gibt auch 700 m2 Freifläche. Eröffnen soll Ariana im Herbst 2021, direkt an der U2-Station Seestadt.www.ariana-event.atHabibi & Hawara. Am Simone-de-Beauvoir-Platz im Sirius sind gerade die Bauarbeiten für den vierten Standort des Social-Franchise-Projekts im Gang. Im März 2021 soll das Lokal mit 120 Sitzplätzen und Gastgarten eröffnen.www.habibi.at
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