Als ich mitten in der Nacht aufwache, denke ich, das könnte eine gute Gelegenheit sein, mir die Sterne anzusehen. Vom Schlafzimmerfenster aus ...
Als ich mitten in der Nacht aufwache, denke ich, das könnte eine gute Gelegenheit sein, mir die Sterne anzusehen. Vom Schlafzimmerfenster aus geht das nicht, weil ein Parkhaus die Rückseite jenes Gebäudes, in dem sich meine Wohnung befindet, überragt und seine aufdringliche Beleuchtung meine Augen beim Blick nach oben blendet. Das Küchenfenster öffnet sich in einen Lichtschacht. Den Himmel sieht nur, wer den Blick steil nach oben richtet. Das oberste Segment des Küchenfensters, merke ich jetzt, ist allerdings so schmutzig, dass alles nach Bewölkung aussieht.
(Textbeitrag: Hanno Millesi)
Man kommt da aber auch so schlecht hin, entschuldige ich meine Nachlässigkeit. Das Vorzimmer verfügt über kein Fenster. Lediglich in der Wohnungstüre befindet sich ein Einsatz aus geschliffenem Glas, durch den alles verschwommen aussieht; auch der ballonartige Beleuchtungskörper im Stiegenhaus. Sein Umriss scheint von einer universalen Schmelze ergriffen, die alle Objekte mitsamt dem Blick, der sie erfasst hat, verschwimmen lässt. Auf dem Klo sitzend, lässt sich durch ein schmales Fenster auf Wilden Wein schauen, der von der Dachterrasse ein Stockwerk höher herunterhängt. Dahinter leuchtet etwas, das der Mond sein könnte, allerdings eher nach einer Lichtquelle aussieht, welche die Üppigkeit der Pflanzen hervorheben soll.
Im Arbeitszimmer gelingt mir endlich ein Blick auf ein Stückchen Himmel. Stern sehe ich keinen. Auch keinen Mond, aber der befindet sich ja vor dem Klofenster. Mein Blick und die Neugier, die sich dahinter verbirgt, werden von finsterer Unendlichkeit absorbiert. Sie macht gar kein Hehl daraus, dass sich die ungehinderte Sicht auf die prächtige Festtagsbeleuchtung des Kosmos mit urbanem Leben nicht vereinbaren lässt. Aus dieser Unvereinbarkeit hilft einem auch ein Schlupfloch wie eine Schlaflosigkeit nicht heraus.
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