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Veröffentlicht am 03.01.2022

leben | Sport

Die Fitmacherin

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Gesundheitsexpertin Beate Wimmer-Puchinger
© Luiza Puiu
Diesen und weitere spannende Artikel lesen Sie online in der aktuellen Ausgabe des Magazins workflow. Jetzt lesen!Gesundheitsexpertin Beate Wimmer-Puchinger macht Lust auf Bewegung, Achtsamkeit und Gesundheit. Auf einem Spaziergang durch die Seestadt zeigt sie uns Ideen, Initiativen und Plätze, die fit und gesund halten.Von Theresa SteiningerWer mit Beate Wimmer-Puchinger durch die Seestadt spaziert, möchte am liebsten sofort zu sporteln beginnen. Etwa, wenn die Public-Health-Expertin und Initiatorin der Plattform gemeinsam gesund – das gesundheitsnetzwerk der seestadt auf die neu gebauten Sportplätze im Elinor-Ostrom-Park hinweist, wo gerade zwei Jugendliche Basketball spielen. Selbst schlechtes Wetter konnte dem Spaß der Buben dort keinen Strich durch die Rechnung machen, sind sie doch durch die U-Bahn-Trasse über ihnen vor Regen geschützt. Oder wenn Wimmer-Puchinger an den zahlreichen Freiluft-Turngeräten vorbeikommt, an denen man gezieltes Training betreiben oder auch einfach zwischendurch ein paar Beinpressen ausprobieren kann. Erst recht kommt man auf den Geschmack, sich wieder ordentlich zu bewegen, wenn die Psychologin und Frauen-Gesundheitsspezialistin durch die Janis-Joplin-Promenade geht, wo das Projekt „Stiegenfit“ startete. Und man bekommt Lust, mal wieder ganz auf den eigenen Körper zu hören, wenn sie von Achtsamkeitsschulung sowie von vernetzter Betreuung durch Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter und viele mehr erzählt.Die Menschen fragen. Aber der Reihe nach: Vor rund vier Jahren war Wimmer-Puchinger, die eigentlich am anderen Ende Wiens daheim ist, aber sichtlich einen Narren an der Seestadt gefressen hat, mit Gerhard Schuster, dem CEO der Seestädter Entwicklungsgesellschaft Wien 3420 aspern Development AG, darüber ins Gespräch gekommen, was einem neuen Stadtteil wie der Seestadt guttun könnte. Hat sie doch als ehemalige Frauengesundheitsbeauftragte der Stadt Wien und als Psychologin vielfältige Erfahrungen dazu. Im ersten Schritt stapften im eisigen Winter 2017/18 Studierende durch die Seestadt, um die Bewohner und die Stakeholder über den Gesundheitsstatus der Bevölkerung zu befragen. Auf Basis der Ergebnisse kreierte man dann zahlreiche Maßnahmen – alle mit einem gemeinsamen Ziel, wie Wimmer-Puchinger erklärt: „Dass die Seestädterinnen besser Bescheid wissen, was sie für ihre Gesundheit tun können – und sich auch mehr darum kümmern.“Kompetenzen vereinen. Vernetzung spiele dabei eine große Rolle, sagt Wimmer-Puchinger, als sie gerade an der ergopraxisaspern in der Maria-Tusch-Straße vorbeikommt. Ihr großes Anliegen ist es, die Gesundheitsdienstleister der Seestadt untereinander zu vernetzen, damit sie noch enger zusammenarbeiten: „Wenn ein Patient Diabetes hat, soll er nicht nur wegen Adipositas behandelt werden, sondern auch ein Bewegungs- und Ernährungsprogramm zusammengestellt bekommen. Es geht uns darum, dass Mediziner, Yogatrainer, Physio- und Psychotherapeuten, Ergotherapeuten und viele mehr ganzheitlich denken und kooperieren.“ Dazu hat man ein „Gesundheitslabor“ ins Leben gerufen, das Impulse für mehr Austausch geben möchte: „Das brauchte anfangs Zeit, aber wir merken, dass hier schon viel Vertrauen zueinander gefasst wurde.“ Außerdem biete man allen, die in der Seestadt im Gesundheitsbereich arbeiten, von Therapeutinnen über Sprechstundenhilfen bis zu Ärztinnen, „spezielle Kommunikationstrainings an.“
Die ergopraxisaspern ist für Wimmer-Puchinger ein Paradebeispiel dafür, wie man niederschwellig aktiv wird: Im Hannah-Arendt-Park wurden und werden „Hofspiele“ organisiert, die mit einfachem Material dazu einladen, in die Welt des Spielens einzutauchen – und die von Ergotherapeutinnen kostenfrei betreut werden. „Schon der erste Termin wurde ideal angenommen, wir freuen uns auf die nächsten Male“, so Wimmer-Puchinger.Generell legt man viel Wert darauf, vor allem auch Kindern Bewegung und Gesundheitskompetenz näherzubringen. „Anteilsmäßig ist die Seestadt der kinderreichste Stadtteil Wiens, da ist es uns ein besonderes Anliegen, sie fit und gesund zu halten.“ Und dabei zählen für Wimmer-Puchinger nicht nur die vielen kreativ gestalteten Spielplätze, die die Seestadt zu bieten hat und auf denen sich die Kinder und Jugendlichen auf Trampolinen, Skaterampen und Spielgeräten austoben. Gerade kommen wir am „Leuchtturm“ vorbei, dem Mehrgenerationen-Wohnprojekt in der Barbara-Prammer-Allee. „Hier entsteht ein Kindergesundheitskompetenzzentrum, in dem sich zwei sehr engagierte Kinderärztinnen mit anderen Berufsgruppen verbinden möchten, um Kindergesundheit ganzheitlich zu betrachten. Hier wird alles Thema sein, was Kindergesundheit ausmacht – es wird einmalig“, sagt Wimmer-Puchinger und ihre Augen leuchten. Was sie gleich zu einem weiteren Projekt führt, das ihr am Herzen liegt: Ein Primärversorgungszentrum direkt in der Seestadt ist ihr Wunsch für die nächste Zukunft. „Wir möchten hier ein Zentrum entwickeln, das verschiedenste Gesundheitsberufe unter einem Dach vereint und wo die allerneuesten Erkenntnisse umgesetzt werden. Der Schwerpunkt ist: Miteinander statt nebeneinander! Wir haben hier schon die Fühler ausgestreckt und Zugänge zu den Finanzierungstöpfen sind vorbereitet.“Buddies finden. Aber nicht nur an einem Vernetzen der Gesundheitsdienstleister, sondern auch innerhalb der Nachbarschaft, ist Wimmer-Puchinger gelegen: Hat man doch in einem so kinderreichen Stadtteil den großen Bedarf bei Müttern und Vätern eruiert, sich auch einmal in Sachen Betreuung des Nachwuchses helfen zu lassen. Daher ist man nun auf der Suche nach „Buddies“, die die lieben Kleinen übernehmen, wenn Mama oder Papa arbeiten, sporteln wollen oder eine Auszeit brauchen: „Die Idee ist, dass in der Seestadt, die heute schon die Größe einer Kleinstadt hat, jemand von um die Ecke rasch kommen kann, wenn er oder sie spontan für die Kinder gebraucht wird.“Von klein auf bewegen. Apropos Kinder und Eltern: „Für sie hat der Turnverein das Projekt ‚Turngarten‘ initiiert, mit dem die Trainerinnen Sport mitten in den Alltag hineintragen wollen und gemeinsames Bewegen von Familien anregen – direkt vor der Haustür. Es ist einfach toll, wenn du dich hier überall bewegen kannst. Die ganze Seestadt fordert dich ja förmlich auf, aktiv zu werden. Es gibt inzwischen auch schon ein Angebot für die Generation 60+“, berichtet Wimmer-Puchinger über eine Initiative der Wiener Gesundheitsförderung GmbH, während eine Gruppe Nordic Walker an uns vorbeigeht.Groß war die Resonanz im letzten Coronawinter, als das Projekt „Stiegenfit“ in Kooperation mit dem Turnverein erfunden wurde, weil während der Lockdowns die Fitnessmöglichkeiten beschränkt waren: Hier erklärte man kurzerhand Stiegenhäuser mehrerer Gebäude in der Seestadt zum „Fitnesscenter“. Plakate und Youtube-Videos regten dazu an, mit einer Luftschnur Seil zu springen, Hampelmänner, Wechselsprünge, aber auch Dehnungs- und Yogaübungen im Stiegenhaus zu machen: „In den Stiegenhäusern, die zum Sportplatz auf Zeit wurden, gibt es genug Platz, viel Luftvolumen und gute Luftfilter – das war eine sichere und besondere Art Sport zu machen und wurde großartig angenommen.“Abgesehen vom Turnverein ist die Volkshochschule Seestadt ein wichtiger Partner für die Anliegen, die sich ja nicht nur auf körperliche, sondern auch auf mentale Gesundheit beziehen. Ob es nun um Vorträge zu digitaler Kompetenz oder zum Thema Impfen geht, Interessierte bekommen hier Informationen. Ein „Frauenabend“ zum Austausch wird beispielsweise in der VHS organisiert. „Die Seestadt ist ja deklarierte Frauenstadt, wo sonst sind alle Straßen nach Frauen benannt? Gerade hier wollen wir auf die weibliche Hälfte der Bevölkerung besonders schauen.“ Und auch in ihrer neuen Lieblingsbuchhandlung, wie Wimmer-Puchinger sie beschreibt, den Seeseiten auf der Janis-Joplin-Promenade, gab es einen Abend zum Thema Brustkrebsvorsorge. „Es ist genial, wenn man sogar in der Buchhandlung Gesundheit generieren kann – und es passt wieder zu unserem Konzept, Gesundheitsinformationen nah an den Alltag der Menschen zu bringen.“Initiativen für die Nachbarschaft. Das möchte man demnächst auch wieder bei einem Angebot für Familien machen: So wie man im Sommer bei einem Family Picknick im Hannah-Arendt-Park über die Angebote von gemeinsam gesund speziell für Familien informiert hat, will man nun bei der von Seestädter Gewerbetreibenden und Vereinen organisierten Aktion „Lebender Adventkalender“ einen Einblick in Initiativen für Kinder geben. „Uns liegen Angebote next door am Herzen. Das Tolle ist, dass die Menschen hier gut erreichbar sind, weil hier Vernetzung – zum Beispiel über das Stadtteilmanagement – immer schon großgeschrieben wurde. Wobei wir ja hoffen, dass unsere Initiativen auch die Nachbarschaft erreichen. Die große Chance bei einem so innovativen Stadtteil ist, dass man vieles von Anfang an einbetten kann.“ Spricht's und freut sich über zwei Kinder, die an Turngeräten gerade mit aller Kraft versuchen, ein Gewicht mit den Armen herunterzuziehen. „Es ist schön zu sehen, dass so vieles, was wir hier initiiert haben, auf fruchtbaren Boden fällt.“Zur PersonBeate Wimmer-Puchinger ist Präsidentin des Bundesverbands Österreichischer Psychologinnen, baute die Frauengesundheitszentren F.E.M./F.E.M.Süd auf, war Frauengesundheitsbeauftragte der Stadt Wien und leitete den Aktionsplan Frauengesundheit des BMGF/Bereich „Frauen im Erwerbsalter“.Infos und nächste Termine: https://gemeinsam-gesund-seestadt.at/Gesundheitskonferenz „Frauen.Macht.Gesundheit“Am 25. Jänner 2022 findet außerdem die 4. Gesundheitskonferenz „Frauen.Macht.Gesundheit“ von gemeinsam gesund – dem gesundheitsnetzwerk seestadt statt. Der kostenlose Online-Kongress richtet sich an all jene, die sich beruflich mit Frauengesundheit, Public Health und Primärversorgung beschäftigen.Infos zu Tickets: bit.ly/gesundheitskonferenz_tickets
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