aspern Die Seestadt Wiens auf der Real Vienna 2010: „aspern Parlament“ - Kunst im öffentlichen Raum
Wien, 18.03.2010
Mit einem ungewöhnlichen Messeauftritt präsentiert sich aspern Die Seestadt Wiens bei der Immobilienfachmesse Real Vienna 2010: Unter dem Titel „aspern Parlament“ wird der Perfor-mancekünstler Oliver Hangl die Messehalle vom 18. bis 20. Mai mit einer Intervention bespielen. Gegenstand der Kunstaktion ist aspern Die Seestadt Wiens, eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas, das mitten im Wirtschaftsraum CENTROPE, auf der Achse Wien – Bratislava, im Sommer 2010 mit dem Aushub des Sees, dem Herzstück des neuen Stadtteils, startet. Mit der Intervention thematisiert Hangl speziell den hohen Stellenwert, den öffentlicher Raum im Sinne eines vielschichtigen kollektiven Handlungsspielraums für unterschiedliche AkteurInnen im Planungsprozess von aspern Seestadt einnimmt.
Rainer Holzer, Vorstand der Wien 3420 Aspern Development AG: „Bereits im ersten Wettbewerb für die Seestadt stand nicht die Umsetzung von Gebäuden, sondern Gestaltungsstrategien für den öffentlichen Raum im Vordergrund. Stadtraum will gut geplant sein und muss trotzdem Freiheiten einräumen. Freiräume bewahren für das Denken und Entwerfen, für Flexibilität und Partizipation. Diesen Anspruch versuchen wir in unserer täglichen Arbeit zu leben.“
„aspern Parlament“ wurde ausgehend von einem Konzept der Kuratorinnen, Kulturwissenschafterinnen und Autorinnen Angelika Fitz und Elke Krasny entwickelt. Die Umsetzung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Wien 3420 Aspern Development AG, zuständig für die Entwicklung und Verwertung der Seestadt, im Rahmen von aspern citylab Art. Dabei handelt es sich um eine interdisziplinäre Dialogplattform für ExpertInnen und die interessierte Öffentlichkeit, die den Rahmen für dieses außergewöhnliche Kunstprojekt bildet. aspern citylab ist ein Stadtentwicklungslabor, das den Stadtentwicklungsprozess begleitet und interaktiv auf konkrete Fragestellungen der Planungsprozesse eingeht.
„aspern Parlament“ - die Intervention
Oliver Hangls Intervention versteht den kollektiven Raum der Real Vienna 2010 als öffentlichen Raum, in den rund zehn PerformerInnen ausschwärmen, um eine zukünftige Stadt aus den verschiedensten Perspektiven zu erkunden und zu erzählen. Wie in einer lebendigen Stadt wird sich die Performance auch in der Messehalle nicht auf einen Standort beschränken, sondern die ganze Halle bespielen.
Analog zu Zufallsbegegnungen im öffentlichen Raum einer Stadt können unbeteiligte PassantInnen zu ZuhörerInnen oder DiskutantInnen werden. Im Laufe eines Messetages verdichten sich die AkteurInnen mehrmals zum Schwarm, der ähnlich dem antiken Chor das Erlebte kommentiert. Die Inszenierung macht den sozialen Raum einer künftigen Stadt hör- und sichtbar: Anknüpfend an den französischen Philosophen Bruno Latour, der von einem ‚Parlament der Dinge’ spricht und von einer Vorstellung des Kollektivs, das die Begegnung von Menschen und Nicht-Menschlichem umschließt, versammelt das „aspern Parlament“ Menschen und Dinge aus „aspern Die Seestadt Wiens“. Stimmen erhalten sowohl jene, die bereits vor Ort sind, als auch jene, die dort in Zukunft leben und arbeiten. Hinzu kommen Objekte wie Parkbänke, die U-Bahn und der See, die personifiziert und ebenfalls akustisch in Szene gesetzt werden. Die PerformerInnen übernehmen die entsprechenden Rollen. Auf diese Weise wird die Stadt auf der Messe vom verhandelten Objekt zum handelnden Subjekt, das überrascht, Aufmerksamkeit verlangt und von seinen Wünschen und Plänen erzählt.
Oliver Hangl über die Faszination des ungewöhnlichen Spielorts: „Eine Messe ist das Paradigma eines öffentlichen Ortes! Die Vielzahl an parallelen Mikro-Bühnen für Kommunikation dient als perfektes Setting für strategische Handlungsszenarien!“ Besonders reizvoll erscheint Hangl „der Akt der Projektion, der in jedem one-to-one-Gespräch aktiviert wird. Ein dynamisches Spiel, das Möglichkeiten intersubjektiv verhandelt und letztendlich in der Summe einen vielstimmigen, neuen Denkraum konstituiert, der sich von Beginn an kritisch mit der der Entwicklung einer neuen urbanen Realität auseinandersetzt.“
Die Kuratorinnen Angelika Fitz und Elke Krasny erläutern die Bedeutung von „aspern Parlament“ als Kunst-im-öffentlichen-Raum-Projekt: „Ein kulturpessimistisch reflexhaft beschworenes Verdikt der Vereinnahmung verstellt den Blick auf die neuen Herausforderungen, die eine veränderte Öffentlichkeit und ihre Räume an die Praktiken von Kunst im öffentlichen Raum stellt. Die Öffentlichkeiten verändern sich rascher als ihre Künste. Ob Bahnhof, Shopping Mall, Konferenzzentrum, Flughafen oder Messehalle: diese Orte sind es, die vorübergehend intensive kollektive Begegnungsräume darstellen. Im Zusammenspiel von unterschiedlichen Akteuren, von Stadtplanung bis Investoren, von MarketingexpertInnen bis zu zukünftigen NutzerInnen, ist es das ‚Aufführen von Öffentlichkeit’, das diesen Öffentlichkeiten einen Spiegel ihrer Interessen, Unterschiede und Gegensätzlichkeiten zu vermitteln vermag.“
Kurzbiografien
aspern Die Seestadt Wiens | www.aspern-seestadt.at
Im 22. Wiener Gemeindebezirk entsteht in den nächsten 20 Jahren auf 240 ha aspern Die Seestadt Wiens – ein urbaner Stadtteil für rund 20.000 Bewohner und mit ebenso vielen Arbeitsplätzen. Die Planer und Entwickler der Seestadt haben die Vision einer Stadt des 21. Jahrhunderts, in der Leben und Arbeiten in Balance möglich sein werden und die vieles verbindet, was anderswo einen Gegensatz bedeutet: Stadt und Natur, Wirtschaftsstandort und Erholungsgebiet, Leben in Wien und Arbeiten in Europa. Herzstück der Seestadt ist ein rund 90.000 m² großer zentraler Park mit einem 50.000 m² großen See.
Rund die Hälfte der Grundfläche ist dem öffentlichen Raum vorbehalten, mit Straßen, Plätzen, Grün- und Erholungsflächen. Lebendige Erdgeschoßzonen mit Geschäften, Ateliers und Lokalen bringen jene urbane Atmosphäre, welche alte gewachsene Stadtteile so beliebt macht. aspern unterscheidet sich von den meisten Stadtentwicklungsprojekten durch diese gezielte Kleinteiligkeit und die dadurch entstehende Vielfalt sowie durch ein darauf abgestimmtes Verkehrskonzept, das Fußgänger und Radfahrer bevorzugt.
Öffentlicher Raum wird als Impulsgeber einer Stadt aufgefasst. In aspern Seestadt erfüllt dieser viele Funktionen: infrastrukturelle Vernetzung, Handel, Kultur, aber auch Freizeit und Naherholung. Um die städtebaulichen Herausforderungen für den öffentlichen Raum in aspern zu meistern, beauftragten die Wien 3420 Aspern Development AG und die Stadt Wien die renommierten dänischen Freiraumplaner Gehl Architects, ein Planungshandbuch zu entwickeln, das die Strategie für die nachfolgenden Umset-zungsschritte vorgibt.
Siehe auch: http://www.aspern-seestadt.at/wohnen-and-arbeiten/stadtentwicklung-aktuell/oeffentlicher-raum/
Angelika Fitz | www.angelikafitz.at
Kulturtheoretikerin, Kuratorin und Autorin; zahlreiche Ausstellungen und Publikationen zu Architektur, Kunst, Urbanismus; aktuell in Vorbereitung REALSTADT. Wünsche als Wirklichkeit im Herbst 2010 in Berlin (gemeinsam mit Martin Heller); davor u.a. Die sanften Wilden. Das Wiener Modell der Stadterneuerung (2009); Linz Texas. Eine Stadt mit Beziehungen für die Europäische Kulturhauptstadt Linz 09 sowie Wann begann temporär?; 2005 und 2003 war sie Kommissärin für den österreichischen Beitrag zur Architekturbiennale in Sao Paulo; internationale Vortrags- und Lehrtätigkeit.
Elke Krasny
Kulturtheoretikerin, Kuratorin, Stadtforscherin, Autorin, lehrt an der Akademie der bildenden Künste Wien, der TU Wien sowie der FH Joanneum Graz; 2006 Gastprofessur an der Universität Bremen
Zuletzt Kuratorin von:
- PENSER TOUT HAUT. FAIRE L'ARCHITECTURE, Centre de Design de l'UQAM, Montréal, 2010
- ANNENVIERTEL! DIE KUNST DES URBANEN HANDELNS, Kuratorin mit Margarethe Markovec und Anton Lederer, rotor Graz, EU-Projekt mit PartnerInnen in Bulgarien, Italien, den Niederlanden, Kroatien und Tschechien, 2009 - 2011
- ARCHITEKTUR BEGINNT IM KOPF. THE MAKING OF ARCHITECTURE, Architekturzentrum Wien, 2008/09
Jüngste Publikationen: „Architektur beginnt im Kopf. The Making of Architecture“, 2008: „Stadt und Frauen. Eine andere Topographie von Wien“, 2008. „Urbanografien. Stadtforschung in Kunst, Architektur und Theorie“, Hrsg. Elke Krasny, Irene Nierhaus, 2008
Oliver Hangl | www.olliwood.com
Künstler; bewegt sich in performativen Disziplinen und medialen Räumen ebenso wie in den klassischen Ausstellungsräumen der bildenden Kunst. Realitätsbrüche, Verdoppelungen und Zwischenwelten markieren seine aktuellen Arbeiten, die nicht an ein Medium gebunden sind. Zahlreiche orts- und kontextspezifische Projektrealisierungen im öffentlichen Raum. Seit 1999 Lehrtätigkeit an verschiedenen Kunstuniversitäten. Seit 2008 leitet er den Projektraum "k48 – Offensive für zeitgenössische Wahrnehmung" in Wien.
Aktuelle Ausstellungen, Projekte: „Lebt und arbeitet in Wien III“, Kunsthalle Wien, „Partizipation“, Salzburger Kunstverein, „Wiener Beschwerdechor“, öffentlicher Raum, Wien
Bildtext:
Mit einem ungewöhnlichen Messeauftritt präsentiert sich „aspern Die Seestadt Wiens“ bei der Immobilienfachmesse Real Vienna 2010: Unter dem Titel „aspern Parlament“ wird der Performancekünstler Oliver Hangl die Messehalle vom 18. bis 20. Mai mit einer Intervention bespielen und somit den hohen Stellenwert thematisieren, den öffentlicher Raum im Planungsprozess von „aspern Seestadt“ einnimmt.
Fotocredit: Stefan Csaky













